Equi Natura

Vitaminversorgung in der Pferdefütterung

Bedarf Mangel und Überversorgung

Verfasst von: Anne Schwarzer – Unabhängige Ernährungsberaterin für Pferde / 25.02.2026

Dein Pferd wirkt müde, das Fell glänzt nicht richtig -
und eigentlich fütterst du doch schon alles richtg, oder?

Vitamine gelten in der Pferdefütterung als echte „Gesundmacher“ – sie unterstützen das Immunsystem, sind an unzähligen Stoffwechselprozessen beteiligt, fördern Zellaufbau, Regeneration und Leistungsfähigkeit. Doch auch wenn Vitamine lebensnotwendig sind, gilt gerade hier: Viel hilft nicht viel. Eine bedarfsgerechte Versorgung ist entscheidend – sowohl eine Unterversorgung als auch eine Überversorgung kann für das Pferd problematisch werden.

 

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen fettlöslichen und wasserlöslichen Vitaminen. Zu den fettlöslichen Vitaminen gehören Vitamin A, D, E und K. Sie werden im Körper – vor allem in der Leber und im Fettgewebe – gespeichert. Das bedeutet, dass sie nicht einfach ausgeschieden werden können, wenn sie in zu großen Mengen aufgenommen werden. Bei einer dauerhaften Überversorgung kann es daher zu einer sogenannten Hypervitaminose kommen. Diese kann sich beispielsweise in Störungen des Knochenstoffwechsels (etwa bei Vitamin D), in Leberschäden (bei Vitamin A) oder in einem gestörten Mineralstoffhaushalt äußern. Besonders kritisch wird es, wenn mehrere vitaminisierte Futtermittel kombiniert werden – etwa Mineralfutter, angereichertes Müsli und zusätzliche „Immun-Booster“. Hier summieren sich die Mengen oft unbemerkt.

 

Die wasserlöslichen Vitamine – dazu zählen Vitamin C und die B-Vitamine wie B1, B2, B6, B12 sowie Biotin – werden hingegen kaum gespeichert. Überschüsse werden in der Regel über den Urin ausgeschieden. Deshalb ist das Risiko einer klassischen Überversorgung deutlich geringer. Dennoch sollte auch hier nicht wahllos supplementiert werden. Das Pferd ist als Dauerfresser mit funktionierender Dickdarmflora in der Lage, viele B-Vitamine sowie Vitamin K selbst zu synthetisieren. Eine gesunde Darmflora ist daher ein zentraler Faktor für die Vitaminversorgung. Kommt es jedoch zu Störungen – etwa durch Antibiotikagaben, Stress, Futterumstellungen, Stoffwechselerkrankungen oder chronische Belastungen – kann der Bedarf steigen oder die Eigenproduktion eingeschränkt sein. Typische Situationen mit erhöhtem Bedarf sind der Fellwechsel, intensives Training oder Rekonvaleszenzphasen.

Die wichtigste natürliche Vitaminquelle für Pferde ist frisches Grünfutter. Weidegras enthält insbesondere hohe Mengen an β-Carotin (Vorstufe von Vitamin A) sowie Vitamin E. Mit der Heugewinnung und vor allem während der Lagerung gehen jedoch empfindliche Vitamine teilweise verloren. Licht, Sauerstoff und lange Lagerzeiten reduzieren insbesondere den Gehalt an β-Carotin deutlich. Pferde, die ausschließlich Heu ohne Weidegang erhalten – vor allem über den Winter hinweg – können daher niedrigere Spiegel bestimmter Vitamine aufweisen. Auch Vitamin E ist in frischem Gras deutlich höher konzentriert als im Heu. Die Qualität des Raufutters spielt somit eine zentrale Rolle in der Vitaminversorgung.

 

Kraftfuttermischungen und Mineralfutter sind heute häufig mit synthetischen Vitaminen angereichert. Das kann sinnvoll sein, wenn tatsächlich ein Mehrbedarf besteht oder die Grundration Defizite aufweist. Problematisch wird es jedoch, wenn ohne genaue Rationsberechnung mehrere Produkte kombiniert werden. Eine „Sicherheitsfütterung“ nach dem Motto „schaden kann es ja nicht“ ist gerade bei fettlöslichen Vitaminen riskant. Symptome einer Unterversorgung können sich unspezifisch äußern – etwa in Form von Infektanfälligkeit, stumpfem Fell, schlechter Hufqualität, Muskelschwäche oder verzögerter Regeneration. Eine Überversorgung bleibt dagegen oft lange unbemerkt und belastet schleichend Leber, Stoffwechsel und Mineralstoffhaushalt.

 

Ein besonderes Vitamin ist Vitamin D. Es nimmt eine Sonderstellung ein, da es über Sonnenlicht in der Haut gebildet werden kann. Dennoch hängt die tatsächliche Versorgung stark von Haltungsform, Jahreszeit und individueller Stoffwechsellage ab. Gerade im Winter oder bei überwiegender Stallhaltung lohnt sich ein genauerer Blick – hierzu habe ich bereits einen ausführlichen Instagram-Beitrag veröffentlicht, auf den ich an dieser Stelle gerne verweise.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Die Basis einer guten Vitaminversorgung ist hochwertiges, vielfältiges Raufutter, eine gesunde Darmflora und eine individuell angepasste Ration. Pauschale Ergänzungen ohne Bedarfsprüfung sind nicht sinnvoll. Vitamine sind essenziell – aber sie sollten gezielt, durchdacht und bedarfsgerecht eingesetzt werden. Denn eine ausgewogene Fütterung bedeutet nicht, möglichst viele Zusätze zu geben, sondern das richtige Maß für das einzelne Pferd zu finden.

 

Solltet Ihr Fragen zum Beitrag haben, schreibt mir gerne einen Kommentar. 

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