Equi Natura

Pferdefütterung bei über 30 Grad

Verfasst von: Anne Schwarzer – Unabhängige Ernährungsberaterin für Pferde / 19.06.2026

Wenn der Körper auf Hochtouren arbeitet...

Sommerliche Temperaturen sind für viele Pferde eine Herausforderung. Während manche Tiere die Wärme scheinbar problemlos wegstecken, zeigen andere bereits bei Temperaturen über 25 Grad eine verminderte Leistungsbereitschaft, vermehrtes Schwitzen oder eine reduzierte Futteraufnahme.

 

Steigt das Thermometer über 30 Grad, wird die Thermoregulation des Körpers zunehmend gefordert und die Fütterung gewinnt an Bedeutung.

Doch was bedeutet Hitze eigentlich für den Stoffwechsel des Pferdes? Welche Nährstoffe rücken in den Fokus und worauf sollten Pferdehalter bei der Fütterung besonders achten?

 

Pferde besitzen im Vergleich zu vielen anderen Tierarten eine relativ große Körpermasse. Dadurch speichern sie Wärme länger und können überschüssige Körperwärme nicht so schnell abgeben.

 

Um eine Überhitzung zu vermeiden, aktiviert der Organismus verschiedene Mechanismen zur Temperaturregulation. Die wichtigste Rolle spielt dabei das Schwitzen.

Über die Verdunstung des Schweißes wird Wärme von der Körperoberfläche abgeführt. Dieser Vorgang ist lebenswichtig, führt jedoch gleichzeitig zu erheblichen Verlusten von Wasser und Mineralstoffen.

Je nach Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit, Trainingszustand und Belastung können Pferde mehrere Liter Schweiß pro Stunde produzieren.

 

Die Folgen können sein:

-erhöhter Flüssigkeitsbedarf

-Verlust wichtiger Elektrolyte

-verminderte Leistungsfähigkeit

-Belastung des Kreislaufs

-Veränderungen im Fressverhalten

 

Aus ernährungsphysiologischer Sicht sollten diese Faktoren bei hohen Temperaturen berücksichtigt werden.

Kein anderer Nährstoff ist für das Pferd so essenziell wie Wasser. Bereits geringe Flüssigkeitsverluste können sich negativ auf den Stoffwechsel, die Verdauung und die Leistungsfähigkeit auswirken.

 

Während ein Großpferd bei moderaten Temperaturen häufig zwischen 25 und 40 Litern Wasser pro Tag aufnimmt, kann der Bedarf während Hitzeperioden deutlich ansteigen.

Besonders kritisch wird es, wenn Pferde zwar schwitzen, aber nicht ausreichend trinken. In solchen Fällen kann das Risiko für Kreislaufprobleme und Verdauungsstörungen zunehmen.

 

Pferdehalter sollten deshalb regelmäßig kontrollieren:

-Ist jederzeit frisches Wasser verfügbar?

-Funktionieren Selbsttränken einwandfrei?

-Werden Tränken und Wasserbehälter regelmäßig gereinigt?

-Hat sich das Trinkverhalten verändert?

 

Gerade ältere Pferde oder Pferde mit Stoffwechselerkrankungen profitieren von einer besonders sorgfältigen Überwachung.

 

Mit dem Schweiß verliert das Pferd nicht nur Wasser, sondern auch Elektrolyte. Dabei handelt es sich um gelöste Mineralstoffe, die zahlreiche lebenswichtige Funktionen im Körper erfüllen.

 

Zu den wichtigsten Elektrolyten gehören:

  • Natrium
  • Chlorid
  • Kalium
  • Magnesium
  • Calcium
  •  

Sie sind unter anderem beteiligt an:

-der Muskelkontraktion

-der Nervenleitung

-der Regulation des Flüssigkeitshaushaltes

-der Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Gleichgewichts

 

Insbesondere Natriumverluste können bei stark schwitzenden Pferden erheblich sein. Ein Salzleckstein sollte daher grundsätzlich zur Verfügung stehen. Bei Sportpferden oder Pferden mit hoher Schweißproduktion kann darüber hinaus eine gezielte Elektrolytergänzung sinnvoll sein.

 

Wichtig ist jedoch, dass Elektrolyte nicht pauschal, sondern bedarfsgerecht eingesetzt werden. Eine Überversorgung ist ebenso wenig zielführend wie eine Unterversorgung.

Manche Pferde fressen bei Hitze schlechter...

Viele Pferdehalter beobachten während heißer Wetterperioden eine reduzierte Futteraufnahme. Dieses Verhalten ist häufig eine natürliche Reaktion des Körpers.

 

Die mikrobielle Verdauung von Raufutter im Dickdarm erzeugt kontinuierlich Wärme. Nimmt das Pferd große Futtermengen auf, steigt die sogenannte Verdauungswärme zusätzlich an.

Bei hohen Außentemperaturen kann dies dazu führen, dass Pferde ihr Fressverhalten vorübergehend anpassen und bevorzugt in den kühleren Morgen- oder Abendstunden fressen.

Eine leichte Veränderung des Fressverhaltens ist meist unproblematisch. Kritisch wird es jedoch, wenn die Futteraufnahme deutlich sinkt oder einzelne Mahlzeiten vollständig verweigert werden.

 

Besonders bei älteren Pferden oder Tieren mit Vorerkrankungen sollte eine anhaltende Fressunlust ernst genommen werden.

 

Unabhängig von der Jahreszeit bleibt Raufutter die Grundlage jeder bedarfsgerechten Pferdefütterung.

Gerade im Sommer lohnt sich jedoch ein genauer Blick auf die Qualität des Heus.

 

Hohe Temperaturen und erhöhte Luftfeuchtigkeit können die Lagerbedingungen beeinträchtigen. Schimmelpilze, Hefen oder eine übermäßige Staubbelastung können die Atemwege reizen und die Futteraufnahme negativ beeinflussen.

 

Gutes Heu zeichnet sich aus durch:

-einen angenehmen, frischen Geruch

-eine trockene Struktur

-geringe Staubentwicklung

-Freiheit von Schimmel und Fremdkörpern

 

Die Qualität des Grundfutters entscheidet maßgeblich über die gesamte Nährstoffversorgung des Pferdes.

Ein häufiger Irrtum besteht darin anzunehmen, dass Pferde auf einer üppigen Sommerweide automatisch optimal versorgt sind.

 

Tatsächlich unterliegen die Nährstoffgehalte von Gras erheblichen Schwankungen. Insbesondere längere Trockenperioden können das Pflanzenwachstum und die Nährstoffzusammensetzung beeinflussen.

 

Hinzu kommen Unterschiede durch:

  • Bodenqualität
  • Düngung
  • Pflanzenarten
  • Weidemanagement
  • Nutzungsintensität
  •  

Auch Pferde mit ganztägigem Weidegang können daher Defizite bei bestimmten Mineralstoffen entwickeln.

Eine individuelle Betrachtung der gesamten Ration bleibt deshalb auch während der Weidesaison sinnvoll.

 

Viele Pferde erhalten das ganze Jahr über dieselbe Futtermenge. Dabei verändert sich der Energiebedarf häufig deutlich.

Während das Pferd im Winter zusätzliche Energie für die Thermoregulation benötigt, entfällt dieser Bedarf in den Sommermonaten weitgehend.

 

Gleichzeitig reduzieren viele Pferde bei großer Hitze ihr Bewegungsniveau oder werden weniger intensiv gearbeitet.

Eine unveränderte Kraftfuttergabe kann dadurch langfristig zu einer unerwünschten Gewichtszunahme führen.

Andererseits gibt es auch Pferde, die durch starkes Schwitzen, Insektenstress oder gesundheitliche Probleme an Gewicht verlieren.

 

Eine regelmäßige Überprüfung des Body Condition Scores sowie der gesamten Ration hilft dabei, Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen.

Temperaturen über 30 Grad stellen den Organismus des Pferdes vor besondere Herausforderungen. Eine ausreichende Wasserversorgung, die bedarfsgerechte Zufuhr von Elektrolyten sowie hochwertiges Raufutter bilden die Grundlage einer angepassten Sommerfütterung.

Gleichzeitig zeigt sich gerade in den Sommermonaten, wie individuell der Nährstoffbedarf von Pferden sein kann. Alter, Nutzung, Gesundheitszustand, Weidegang und Haltung beeinflussen die Anforderungen erheblich.

 

Wenn du Unterstützung bei der Fütterung möchtest oder dir unsicher bist,

ob dein aktuelles Konzept wirklich passt, lohnt sich ein genauer Blick auf die individuelle Situation deines Pferdes!

Dazu schreibt mich gerne an! 

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