Verfasst von: Anne Schwarzer – Unabhängige Ernährungsberaterin für Pferde / 01.04.2026
Die Diagnose Cushing trifft viele von euch völlig unerwartet. Vielleicht war es zunächst nur ein veränderter Fellwechsel, etwas weniger Energie oder kleine Auffälligkeiten im Alltag. Und plötzlich steht eine chronische, unheilbare Stoffwechselerkrankung im Raum, die viele Fragen aufwirft – vor allem eine: Was füttere ich jetzt meinem Pferd?
Genau hier lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen. Denn Cushing, auch als PPID bekannt, ist keine Erkrankung, die man mit einer einfachen Futterumstellung „in den Griff bekommt“. Vielmehr handelt es sich um eine komplexe hormonelle Dysbalance, die den gesamten Stoffwechsel beeinflusst – und damit auch die Bedürfnisse deines Pferdes grundlegend verändert.
Im Körper eines betroffenen Pferdes kommt es zu einer Fehlsteuerung in der Hirnanhangdrüse. Bestimmte Hormone werden vermehrt ausgeschüttet, was unter anderem den Zuckerstoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringt. Diese Veränderungen laufen oft schleichend ab, haben aber weitreichende Folgen: Muskeln bauen sich ab, das Immunsystem wird anfälliger, und nicht selten steigt das Risiko für Hufrehe deutlich an.
Gerade der gestörte Zuckerstoffwechsel macht deutlich, warum die Fütterung bei Cushing eine so zentrale Rolle spielt. Dennoch greifen viele Pferdebesitzer zunächst zu pauschalen Lösungen. „Zuckerarm füttern“ ist dabei meist der erste und wichtigste Tipp – und ja, er ist grundsätzlich richtig. Aber er greift zu kurz.
Denn kein Cushing-Pferd ist wie das andere. Während das eine Pferd an Gewicht zunimmt und eher zu Überversorgung neigt, verliert ein anderes deutlich an Substanz und Muskulatur. Manche Tiere haben zusätzlich mit Hufrehe zu kämpfen, andere zeigen vor allem Fellveränderungen oder Leistungseinbußen. Genau diese Unterschiede machen deutlich, warum eine standardisierte Fütterung selten wirklich zielführend ist.
In der Praxis sehe ich häufig, dass gut gemeinte Futterumstellungen eher neue Probleme schaffen. Pferde werden stark „auf Diät gesetzt“, bekommen zwar weniger Zucker, sind aber gleichzeitig nicht mehr ausreichend mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Die Folge sind Mangelerscheinungen, weiterer Muskelabbau oder ein noch empfindlicher reagierender Stoffwechsel.
Dabei geht es bei der Fütterung von Cushing-Pferden nicht darum, möglichst viel wegzulassen – sondern darum, gezielt zu versorgen. Eine hochwertige Raufutterbasis bildet dabei immer das Fundament. Heu sollte möglichst zuckerarm sein und im Idealfall analysiert werden, um wirklich zu wissen, womit man arbeitet. Je nach Ausgangssituation kann es sinnvoll sein, das Heu zu wässern, um den Zuckergehalt weiter zu reduzieren.
Doch selbst das beste Heu allein reicht oft nicht aus. Der Körper eines Cushing-Pferdes befindet sich in einem permanenten Ungleichgewicht, was auch den Bedarf an Mineralstoffen und Spurenelementen verändert. Gerade diese werden jedoch häufig unterschätzt, obwohl sie entscheidend für Stoffwechselprozesse, Hormonregulation und das Immunsystem sind.
Hinzu kommt, dass viele Pferde zusätzliche Energie benötigen – allerdings nicht in Form von Zucker oder Stärke. Hier sind alternative Energiequellen gefragt, die den Stoffwechsel nicht zusätzlich belasten. Gleichzeitig muss darauf geachtet werden, dass der Muskelabbau aufgefangen wird, ohne das Pferd in eine Überversorgung zu bringen.
Und genau an diesem Punkt wird deutlich, warum eine individuelle Rationsberechnung so wertvoll ist. Denn sie betrachtet nicht nur die Erkrankung, sondern das gesamte Pferd: seinen aktuellen Zustand, sein Gewicht, seine Nutzung, mögliche Vorerkrankungen und natürlich auch die vorhandene Fütterung.
Eine durchdachte Rationsberechnung schafft Klarheit. Sie zeigt auf, wo Defizite bestehen, wo möglicherweise zu viel gefüttert wird und welche Stellschrauben wirklich sinnvoll sind. Vor allem aber hilft sie dabei, den Stoffwechsel gezielt zu entlasten, anstatt ihn durch gut gemeinte Maßnahmen zusätzlich zu stressen.
Denn gerade bei Stoffwechselerkrankungen wie Cushing gilt: Kleine Fehler können große Auswirkungen haben – oft allerdings zeitverzögert. Umso wichtiger ist es, frühzeitig ein stabiles Fundament zu schaffen.
Neben der Fütterung spielen natürlich auch andere Faktoren eine Rolle. Bewegung, Stressmanagement und eine angepasste Haltung sind wichtige Bausteine im Umgang mit Cushing. Doch die Ernährung bleibt einer der wenigen Bereiche, in dem wir täglich aktiv Einfluss nehmen können.
Und genau darin liegt auch die Chance.
Mit dem richtigen Blick auf die individuellen Bedürfnisse deines Pferdes kannst du viel dazu beitragen, seinen Stoffwechsel zu unterstützen und seine Lebensqualität langfristig zu verbessern.
Cushing ist eine chronische, bleibende Erkrankung – aber sie bedeutet nicht automatisch einen Verlust an Lebensfreude oder Leistungsfähigkeit. Mit einem durchdachten, ganzheitlichen Ansatz lässt sich oft erstaunlich viel erreichen.
Am Ende geht es nicht darum, eine allgemeine Empfehlung umzusetzen. Es geht darum, dein Pferd wirklich zu verstehen – und genau das zu füttern, was es in seiner aktuellen Situation braucht.
Wenn du Unterstützung bei der Fütterung möchtest oder dir unsicher bist,
ob dein aktuelles Konzept wirklich passt, lohnt sich ein genauer Blick auf die individuelle Situation deines Pferdes!
Dazu schreibt mich gerne an!
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