Verfasst von: Anne Schwarzer – Unabhängige Ernährungsberaterin für Pferde / 12.09.2026
Wie gut ist das Heu in diesem Jahr eigentlich?
Diese Frage lässt sich 2026 nicht mit einem einfachen „gut“ oder „schlecht“ beantworten. Das Wetter hat dem Grünland in diesem Jahr einiges abverlangt: trockene Phasen, sehr viel Sonne, teilweise kühle Nächte, später Niederschläge und im Sommer erneut starke Trockenheit und Hitze.
Und genau das kann sich auf die Zusammensetzung des späteren Heus auswirken. Für Pferdehalter ist deshalb vor allem wichtig zu wissen: Das Heu kann 2026 je nach Schnittzeitpunkt, Standort und Wetterphase sehr unterschiedlich ausfallen.
Viel Sonne und Trockenheit, was passiert im Gras?
Schon Ende April 2026 zeigte die Grünland-Reifeprüfung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen etwas Spannendes:
Durch klare, kalte Nächte, starke Sonneneinstrahlung und trockene Bedingungen konnten die Gräser viel Zucker einlagern, gleichzeitig war das Wachstum gebremst.
Gemessen wurden zu diesem Zeitpunkt Zuckergehalte von über 20 bis 28 Prozent in der Trockenmasse.
Wichtig: Das waren Werte aus frischem Grünlandbestand und nicht pauschal Werte des fertigen Pferdeheus.
Sie zeigen aber sehr gut, wie stark die Witterung den Zuckergehalt von Gräsern beeinflussen kann.
Warum aber Zucker im Heu für viele Pferde so wichtig ist?
Für ein gesundes, normalgewichtiges Pferd muss ein höherer Zuckergehalt nicht automatisch zum Problem werden.
Anders sieht es bei Pferden aus, die empfindlich auf leicht verfügbare Kohlenhydrate reagieren.
Dazu gehören zum Beispiel Pferde mit:
-EMS
-Insulindysregulation
-Übergewicht
– bestehender oder früherer Hufrehe
-leichtfuttrige Ponys und Kleinpferde
Gerade bei diesen Pferden lohnt es sich, den Zucker- und Fruktangehalt des Heus zu kennen.
Die LUFA NRW weist darauf hin, dass Zucker und Fruktan in Pferdeheu gezielt untersucht werden können. Hohe Fruktanmengen können den Dickdarm belasten und werden mit einem erhöhten Risiko für fütterungsbedingte Hufrehe in Verbindung gebracht.
Späterer Schnitt = mehr Struktur, aber weniger Protein!
Mit zunehmender Reife verändert sich das Gras deutlich.
Die Grünland-Reifeprüfung 2026 zeigte Ende Mai Rohfasergehalte von bereits über 25 Prozent der Trockenmasse.
Gleichzeitig fiel der Rohproteingehalt auf Werte von ungefähr 10 Prozent.
Das ist ein typischer Zusammenhang:
Je reifer und strukturreicher das Gras wird, desto stärker kann der Proteingehalt zurückgehen.
Für viele Freizeitpferde im Erhaltungsbedarf kann ein solches Heu durchaus passend sein.
Für andere Pferde kann es aber knapp werden.
Wenig Protein – für welche Pferde kann das problematisch werden?
-älteren Pferden
-Pferden im Muskelaufbau
-schlecht bemuskelten Pferden
-wachsenden Jungpferden
-hochtragenden oder laktierenden Stuten
-Pferden mit erhöhtem Leistungsbedarf
Gerade beim älteren Pferd sieht man häufig, wie schwer es wird, Muskulatur zu erhalten oder wieder aufzubauen.
Dann reicht es nicht, einfach nur „mehr Futter“ zu geben.
Wichtig ist auch, welches Protein und welche Aminosäuren tatsächlich zur Verfügung stehen.
Aminosäuren wie Lysin und Methionin spielen beim Aufbau und Erhalt von Körper- und Muskelgewebe eine wichtige Rolle.
Auch die Landwirtschaftskammer NRW weist bei Pferden mit erhöhtem Bedarf ausdrücklich auf die Bedeutung einer bedarfsgerechten Eiweiß- und Aminosäurenversorgung hin.
Wenn eine Heuanalyse hier einen Mangel zeigt, kann die Ration gezielt ergänzt werden – beispielsweise mit geeigneten proteinreichen Futtermitteln oder einer passenden Aminosäurenversorgung.
Aber eben gezielt und nicht auf Verdacht.
Gerade in Nordrhein-Westfalen wurde es im Sommer sehr trocken. Zwischen Anfang Juni und Mitte Juli fielen laut Landwirtschaftskammer NRW durchschnittlich nur 24 mm Niederschlag. Zusätzlich gab es eine Hitzephase mit Temperaturen von bis zu 40 °C. Auch Ende Juli und Anfang August blieb es trocken.
Für das Grünland bedeutet das:
Das Wachstum kann deutlich zurückgehen, Pflanzen geraten unter Stress und spätere Aufwüchse können sich ganz anders entwickeln als der erste Schnitt.
Deshalb finde ich es 2026 besonders wichtig, zwischen erstem, zweitem und späterem Schnitt zu unterscheiden.
Viele Pferdehalter suchen bewusst nach möglichst strukturreichem, spätem Heu.
Das kann für leichtfuttrige Pferde sinnvoll sein.
Sehr überständiges Heu kann deutlich schwerer verdaulich sein und gleichzeitig wenig Protein und Energie liefern.
Für einen leichtfuttrigen Freizeitwallach kann das gut passen.
Für einen dünnen Senior, der Schwierigkeiten hat, Gewicht und Muskulatur zu halten, kann genau dasselbe Heu völlig ungeeignet sein. Das ist für mich einer der wichtigsten Punkte in der Pferdefütterung: Es gibt nicht „das gute Heu“. Es gibt nur Heu, das zu einem bestimmten Pferd passt – oder eben nicht.
Was bedeutet das für dein Pferd?
Wenn dein Pferd gesund, normalgewichtig und gut bemuskelt ist, kann die diesjährige Ernte problemlos passen.
Besonders genau würde ich aber hinschauen bei:
Pferden mit EMS oder Hufrehe Risiko.
Hier sind vor allem Zucker, Fruktan und Energiegehalt interessant.
Senioren und schwerfuttrigen Pferden, sowie im Muskelaufbau
Hier können Protein, Aminosäuren, Energie und Verdaulichkeit entscheidend sein. Auch hier reicht Energie allein nicht. Die Versorgung mit hochwertigem Protein und essenziellen Aminosäuren muss passen.
Übergewichtige und leichtfuttrige Pferde
Hier muss vor allem darauf geachtet werden, nicht unbemerkt zu viel Energie und Zucker über das Raufutter aufzunehmen.
Ich würde mich dieses Jahr besonders wenig auf allgemeine Tabellenwerte verlassen.
Die Witterung war zu unterschiedlich und die Entwicklung der Bestände zu stark vom Standort und Schnittzeitpunkt abhängig.
Und genau hier beginnt für mich eine gute Rationsberechnung.
Nicht mit der Frage:
„Welches Zusatzfutter soll ich kaufen?“
Sondern mit:
„Was liefert mein Heu bereits – und was fehlt meinem Pferd tatsächlich noch?“
Wenn du Unterstützung bei der Fütterung möchtest oder dir unsicher bist,
ob dein aktuelles Konzept wirklich passt, lohnt sich ein genauer Blick auf die individuelle Situation deines Pferdes!
Dazu schreibt mich gerne an!
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