Verfasst von: Anne Schwarzer – Unabhängige Ernährungsberaterin für Pferde / 16.10.2025
Hufrehe gehört zu den gefürchtetsten Stoffwechselerkrankungen beim Pferd. Was viele Pferdebesitzer überrascht: Oft beginnt sie nicht am Huf, sondern im Darm. Eine falsche oder unausgewogene Fütterung kann biochemische Prozesse in Gang setzen, die letztlich zu einer Entzündung der Huflederhaut führen – die teils dramatische Folgen für das betroffene Pferd haben können.
Bei einer Hufrehe entzündet sich das empfindliche Gewebe zwischen Hufbein und Hornkapsel. Es kommt zu Durchblutungsstörungen, Schmerzen und in schweren Fällen sogar zum Absinken oder Drehen des Hufbeins. Die Ursachen sind vielfältig, doch Fütterungsfehler zählen zu den häufigsten Auslösern – insbesondere dann, wenn Zucker, Stärke oder Fruktane im Futter überhandnehmen.
Der Stoffwechsel des Pferdes spielt dabei eine entscheidende Rolle. Pferde sind von Natur aus Dauerfresser, ihr Verdauungssystem ist auf strukturreiche, energiearme Nahrung ausgelegt, nicht auf große Mengen schnell verfügbarer Kohlenhydrate. Wenn ein Pferd plötzlich zu viel Kraftfutter, junges Gras oder fruktanreiches frisst, gelangen unverdaut Zucker- und Stärkereste in den Dickdarm. Dort beginnen Bakterien, diese Bestandteile zu vergären. Dabei entstehen Milchsäuren und Toxine, die den pH-Wert senken und Entzündungsprozesse auslösen. Die Folge ist Stoffwechselstress, eine Überlastung der Leber und bei empfindlichen Pferden die Entwicklung einer Rehe.
Typische Ernährungsfehler bei Hufrehe-Pferden sind vor allem die Fütterung von zucker- und stärkereichem Kraftfutter wie Müslis, Pellets oder Getreide. Auch fruktanreiches Weidegras kann problematisch sein, insbesondere im Frühjahr und Herbst, wenn kalte Nächte auf sonnige Tage folgen und der Fruktangehalt im Gras steigt. Übergewicht spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle, da Fettgewebe stoffwechselaktiv ist und die Insulinregulation beeinflusst, was das Reherisiko erhöht. Ein weiterer Risikofaktor ist eine zu geringe Struktur im Futter: Pferde, die zu wenig Heu oder zu feines Futter erhalten, produzieren weniger Speichel, was eine Übersäuerung im Verdauungstrakt begünstigt.
Die Grundlage jeder Fütterung bei (drohender) Hufrehe ist Raufutter. Hochwertiges, spät geschnittenes Heu mit niedrigem Zuckergehalt bildet die Basis. Ideal ist ein NSC-Gehalt (Anteil an Nicht-Strukturierten Kohlenhydraten) unter 10 Prozent. Eine Heuanalyse kann hier wertvolle Hinweise geben, ob das Heu tatsächlich geeignet ist. Neben der richtigen Heumenge – etwa 1,5 bis 2 Prozent des Körpergewichts pro Tag – kann auch das Wässern des Heus über 30 bis 60 Minuten helfen, Zucker auszuschwemmen. Kraftfutter sollte reduziert oder im besten Fall komplett gestrichen werden; Es sollte auf energiearme Alternativen umgestiegen werden. Auch die Versorgung mit Mineralstoffen sollte überprüft werden. Gezielter Einsatz von Kräutern wie Mariendistel, Brennnessel oder Weißdorn kann den Stoffwechsel zusätzlich unterstützen.
Gewichtsmanagement und Bewegung sind weitere entscheidende Faktoren. Übergewichtige Pferde tragen ihr Risiko buchstäblich mit sich herum. Kleine, strukturreiche Mahlzeiten über den Tag verteilt, der Einsatz von Heunetzen und kontrollierte Bewegung nach tierärztlicher Freigabe helfen, den Stoffwechsel zu stabilisieren und das Reherisiko zu senken.
Hufrehe ist keine reine „Huferkrankung“, sondern eine Stoffwechselstörung mit weitreichenden Ursachen.
Die gute Nachricht ist: Mit der richtigen Fütterung lässt sich viel verhindern, und selbst bei bestehenden Stoffwechselproblemen kann eine gezielte Anpassung deutliche Verbesserungen bringen. Wer unsicher ist, ob die aktuelle Fütterung des Pferdes wirklich passt, sollte eine professionelle Futterberatung in Anspruch nehmen.
Eine individuelle Analyse hilft, die Zusammensetzung der Ration zu überprüfen, Zucker- und Energiegehalte zu optimieren und die Versorgung mit Mineralstoffen sicherzustellen – für gesunde Hufe und einen stabilen Stoffwechsel.
Empfehlung:
Gerne würde ich euch zu diesem Thema auch eine App empfehlen, mit der ihr z.B. das Fruktan-Risiko an eurem Standort checken könnt.
Das wäre die App „Happie Horse – Management“ – gibt es als kostenlose oder Premium Variante.
Oder die kostenpflichtige App „Laminitis“.
Schaut da gerne mal rein, vielleicht ist da etwas bei für euch, was denn Stallalltag und das Weidemanagemet erleichtert.
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen